Das Unglaubliche wird Realität

6. Mai 2016

Heute Morgen werde ich ganz normal vom Frühdienst geweckt. Ich habe Rückenschmerzen und weiß nicht, wie ich noch liegen soll. Wenn ich zu lange auf dem Rücken liege, kriege ich Schmerzen. Auf der rechten Seite kann ich auch noch nicht allzu lange liegen und auf die linke Seite komme ich erst recht nicht, weil dann die Thoraxdrainage abgequetscht wird. Diese blöde Drainage nervt mich sowieso. Der fingerdicke Schlauch in meinem Brustkorb macht mir einfach nur Angst. Mit einer Klemme ist er am Bettlaken befestigt. Ich kann deutlich sehen wie das Blut aus meiner Lunge geleitet wird und durch ihn hindurch fließt. Atme ich ein, fließt das Blut ein Stückchen zurück und bei jedem Atemzug merke ich ganz deutlich, wie sich der Schlauch in meinem Brustkorb hin und her bewegt. Das ist ein total ekliges Gefühl. Doch mindestens genauso eklig ist es, zu merken, wie der Schlauch scheinbar auch ein Stückchen in meine Schulter wandert. Wenn ich in einer blöden Position liege, merke ich, wie ich förmlich auf dem Schlauch liege. Ich kann meinen linken Arm nicht heben, weil es dann in der linken Schulter zu ziehen beginnt und ich höllische Schmerzen bekomme. 
Aber zum Glück soll das alles heute ein Ende haben. Ich habe auch echt keinen Bock mehr auf dieses blöde Ding. Ich will endlich mal raus aus dem Zimmer und etwas anderes sehen als die kahle, weiße Wand und den Schrank gegenüber von meinem Bett. 

Schon gestern hatte ich in der Visite gefragt, wie lange ich mit dieser Thoraxdrainage noch leben muss. Der Arzt konnte mir noch nichts Genaueres sagen, aber er rechnet damit, dass sie heute rauskommt.

Immerhin ist heute der dritte postoperative Tag. Normalerweise der Tag, an dem die Thoraxdrainage entfernt werden kann. Aber natürlich ist das von Patient zu Patient unterschiedlich.

Nach dem täglichen Blutdruck, Puls und Fieber messen warte ich gespannt auf die endgültige Entscheidung der Wirbelsäulenchirurgen bei der Visite. Um kurz nach sieben ist es soweit. Die Visite kommt und der Stationsarzt schaut in den Auffangbehälter, wo die Flüssigkeit aufgefangen wird. Gute Nachrichten! Die Thoraxdrainage kann raus! Er erklärt mir den Ablauf. Zunächst muss ich noch einmal zum Röntgen, um feststellen zu können, ob meine Lunge wieder normal entfaltet ist. Danach wird die Drainage dann endlich gezogen.

Ich freue mich dieses lästige Ding bald los zu sein, habe aber auch ein bisschen Angst… Wie mag es sich wohl anfühlen, wenn der Schlauch aus meinem Brustkorb gezogen wird? Ersticke ich dann?

Nun liege ich da, wie auf heißen Kohlen und warte auf das, was auf mich zukommt. Ich frühstücke ganz normal, aber wie auch schon in den vergangenen Tagen habe ich nicht wirklich Hunger. Die Tabletten rauben einem jeglichen Appetit und seitdem ich hier bin bekomme ich jeden Morgen das Gleiche: Ein Brötchen mit Erdbeermarmelade. So langsam kommt mir die Erdbeermarmelade schon zu den Ohren raus!

Nach dem Frühstück liege ich wieder da und warte. Es tut sich ewig nichts. Keine Schwester, die mich zum Röntgen holt und kein Arzt, der mir und die Drainage rausziehen will. Das ist furchtbar, wenn man auf etwas wartet, wovor man auch noch Angst hat und es dann einfach ewig nicht vorangeht! 

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt meine Lieblingsschwester Maya um zu schauen, wie es mir geht. Sie verspricht mir, zu fragen wann es losgeht.

5 Minuten später stehen den Stimmen nach zu urteilen, mindestens drei Ärzte vor meiner Tür. Die Türen sind so hellhörig, dass ich jedes Wort verstehen kann. Detailiert besprechen sie, wie sie beim Ziehen der Drainage  vorgehen wollen. „Das will ich gar nicht wissen!“, rufe ich ihnen durch die geschlossene Tür zu. Aber natürlich hören sie mich nicht.

Irgendwann kommt dann jemand, der mich zum Röntgen holt. Dr. Ertural begleitet mich, um mich während des Röntgens zu stabilisieren. Durch die veränderte Statik der Wirbelsäule kann ich noch nicht stabil alleine sitzen. Aber das ist kein Problem. Zusammen nehmen wir auch diese Hürde. 

Nach Auswertung der Röntgenbilder stellt sich heraus, dass beide Lungenflügel gut entfaltet sind und der Schlauch gezogen werden kann. Kaum bin ich wieder auf meinem Zimmer, geht alles ganz schnell. Maya kommt rein: „So, jetzt geht’s los!“, sagt sie. Die Angst steht mir ins Gesicht geschrieben. Wie fühlt es sich nur an, wenn die Drainage  gezogen wird? Ich hatte zwar schon zweimal eine Drainage, jedoch waren die lange nicht so dick, wie die Thoraxdrainage und steckten auch nicht in meiner Lunge, sondern nur in meiner Hüfte. 

Maya setzt mich an die Bettkante und Dr. Ertural kommt zusammen mit noch einer Ärztin und einem kleinen fahrbaren Tischchen ins Zimmer. Auf dem Tischchen liegen alle Materialien, die zum Ziehen der Drainage benötigt werden. Natürlich vollkommen steril. Dr. Ertural löst zuerst den Verband ab. Dann erklärt er mir alles, was er gleich machen wird. Ich schwitze wie ein Schwein vor lauter Angst und mir wird richtig schlecht. Dann beginnt er ein bisschen an der Dränage zu ziehen. Ich klammere mich an Maya fest. Er bittet mich dreimal tief ein und aus zu atmen. Beim dritten Mal ausatmen wird er die Dränagen dann rausziehen, während seine Kollegin im gleichen Moment das Loch, worin die Dränage steckt, mit einer bräunlichen Masse verschließen wird.  Jedoch habe ich nicht wirklich das Gefühl, dass die Kollegin so richtig weiß, was sie da tut. Unsicher schaut sie ihn an und fragt ihn immer wieder was ich jetzt machen soll. „Sie wissen aber schon was Sie da tun?“, frage ich sie skeptisch, bekomme jedoch keine eindeutige Antwort.

Ich beginne ein Mal zu atmen, ein zweites Mal zu atmen und klammere mich dabei immer mehr an Maya fest. Ohne sie wüsste ich gerade nicht, was ich tun sollte. Dann kommt der finale Atemzug. Als ich wieder ausatme, verspüre ich ein leichtes Zwicken und und es brennt ein bisschen. Das ist wirklich kein angenehmes Gefühl. Aber es dauert keine 3 Sekunden und das Ding ist draußen. Ich bin heilfroh! Heilfroh,dass Maya in dieser Ausnahmesituation bei mir ist und, dass ich alles überlebt habe. 

In einer Situation, wo andere vielleicht so schnell wie möglich wieder ihre Ruhe haben wollen, ist meine erste Reaktion: „ich möchte ein Foto von der Narbe!“ Wie selbstverständlich lässt sich Dr. Ertural meine Handykamera einstellen und macht ein Foto von der Drainagenstelle. „Wenn wir schon einmal dabei sind, könnten wir doch aber auch das Pflaster abmachen und die Narbe einmal komplett fotografieren, oder?“, frage ich ihn neugierig, wie das Produkt der fünfstündigen Arbeit wohl aussehen wird. Er nickt, macht das Pflaster ab und schießt noch ein Foto von der kompletten Narbe. Das ist wirklich eine wunderschöne Narbe! Zwar ist sie sehr lang aber total dünn. Abschließend klebt er noch ein neues Pflaster auf die Wunde und verabschiedet sich dann mit den Worten: „Wir sehen uns gleich nochmal beim Röntgen. Wir müssen die Lunge nochmal überprüfen und bei der Gelegenheit können wir gleich eine Aufnahme von der Wirbelsäule machen!“ 

Jetzt bin ich aufgeregt! 😄 Wie sieht das Ergebnis der OP wohl aus? Zum Glück muss ich diesmal nicht ganz so lange warten. Keine 5 Minuten später werde ich nochmal zum Röntgen gebracht. Wir machen noch einmal eine Aufnahme von der Lunge und dann die viel spannendere Aufnahme von der  Wirbelsäule. Am liebsten würde ich sie jetzt gleich sehen. Aber gut Ding will eben Weile haben. 

Bis zum Nachmittag dauert es, ehe ich das Ergebnis zu Gesicht bekomme. Er kommt in mein Zimmer und überreicht mir die Röntgenaufnahmen. Ich kann es kaum glauben! Ich bin so gut wie gerade! Meine Krümmung konnte von 100° auf knapp 40° reduziert werden! Das ist ein unfassbar tolles Ergebnis! Endlich bin ich nicht mehr die, bei der alle Ärzte die Hände hoch reißen oder die Physiotherapeuten sagen: „So eine furchtbare Wirbelsäule habe ich bei einer 17-jährigen noch nie gesehen!“

Kurz bevor meine Eltern und meine Schwester zu Besuch kommen, kommt auch Dr. Köszegváry nochmal bei mir vorbei um mir das Ergebnis zu präsentieren und eine freudige Botschaft zu überbringen. Vorläufig wird keine zweite OP nötig sein. Die Krümmung konnte in einer OP behoben werden!😀

Ich bin überglücklich und brauche erstmal ein bisschen, um zu verstehen, dass diese Wirbelsäule wirklich meine Wirbelsäule ist. Eine Wirbelsäule, die normal aussieht! Das ist total irre!!😂😂😂  Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.😂😂 Ich schicke die Röntgenbilder sofort an alle Leute, die mir etwas bedeuten und diese harte Zeit hier im Krankenhaus mit mir zusammen durchleben. Auch meine Familie kann es kaum glauben, was sie da sehen, als sie am späten Nachmittag bei mir ankommen. Das ist einer der schönsten Tage, die ich bisher erleben durfte!!!😀😀👍🏼

 

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Anna auf Diät 

5. Mai 2016
Heute ist nicht wirklich viel passiert. Deswegen gibt es auch nicht wirklich viel zu berichten. Ich war noch relativ k.o., habe viel geschlafen, hatte immer noch relativ große Schmerzen, weswegen ich nachts Morphium bekommen habe und wurde weiterhin auf Schmalkost gesetzt.😂 Meine Freundin war bei mir zu Besuch. Darüber habe ich mich sehr gefreut und es hat mir sehr gut getan. Mehr gibt es von dem heutigen Tag aber eigentlich auch nicht zu berichten.

Bis morgen!

Im Nebel 

04. Mai 2016

Heute Morgen werde ich von der Krankenschwester geweckt. Irgendwann in der Nacht war es uns dann endlich doch noch gelungen, das richtige Schmerzmittel für mich zu finden. Novalgin. Dadurch konnte ich zum Glück sehr gut schlafen.

Die Schwester zieht mir die Bettdecke weg und beginnt mich zu waschen. Ich bin gar nicht begeistert davon. Noch völlig benebelt von den Schmerzmittel-Experimenten des letzten Tages, möchte ich eigentlich nur schlafen. 

Nach dem Waschen findet die Dienstübergabe der Schwestern statt und endlich kommt eine freundliche Schwester. Zwar habe ich momentan keine Schmerzen mehr, jedoch ist die Übelkeit immer noch da. Die freundliche Schwester verabreicht mir sofort ein Medikament über den Perfusor dagegen. Dann lässt sie mich in Ruhe und ich kann noch ein bisschen schlafen. Ich habe das Zeitgefühl total verloren. Auf der Intensivstation gibt es keine Uhr und um auf mein Handy zu gucken, bin ich zu schwach und irgendwie auch zu faul. Es dauert nicht lange und ich döse wieder weg. Erst, als ich Stimmen in meiner Nähe höre, öffne ich langsam die Augen. Vor mir steht die Visite. Die nette Anästhesistin, die damals im November das Narkosevorgespräch mit mir und meinen Eltern führte und noch ein paar andere Ärzte. Aber die kenne ich nicht. „Wir kennen uns doch.“, sage ich zu der Narkoseärztin.  Sie guckt mich ein wenig verwundert an und blättert in meiner Akte. „Ja?“, antwortet sie mir, während es in ihrem Kopf offensichtlich zu rattern beginnt. Ich setze meine Brille auf um besser zu sehen, wer da vor mir steht. Da scheint sie mich plötzlich zu erkennen. Sie lächelt mich an und meint, ich solle doch mal bei ihr vorbeikommen wenn ich wieder auf den Beinen bin. Dann verlässt sie zusammen mit den anderen Ärzten das Intensivzimmer. 

Und ich tue wieder das, was ich in den nächsten Tagen noch häufiger tun werde: Schlafen. 

Irgendwann kurz bevor ich abgeholt werden soll, kommt die nette Krankenschwester noch einmal und bietet mir einen Joghurt an. Eigentlich hab ich nicht so wirklich Hunger aber Lust habe ich trotzdem darauf. Genüsslich esse ich den „kleinen Bauer“ Erdbeerjoghurt und warte darauf, endlich wieder auf die Normalstation zu dürfen.
Es wird immer später und so langsam wird mir auch langweilig. Ich nehme mein Handy, welches ich ausnahmsweise mit auf die Intensivstation nehmen durfte, weil ich ohne meine Eltern hier bin und schreibe mit ein paar Freunden und Bekannten. Dann ruft mein Vater an und fragt mich, wie es mir geht. 

Um kurz vor 10:00 Uhr kommt dann endlich die Schwester meiner Station um mich abzuholen. Ich freue mich gleich wieder bei Laura, meiner Bettnachbarin zu sein.

Doch da habe ich mich wohl zu früh gefreut. Im Fahrstuhl teilt mir die Schwester mit, dass sie gestern nochmal „hin und her schieben“ mussten und ich deswegen jetzt bei einer älteren Dame mit auf dem Zimmer bin. Wirklich begeistert bin ich von der Information nicht. Ich war am Montag so froh mit einem Mädchen in meinem Alter auf dem Zimmer zu sein. Und jetzt das! Meine größte Horrorvorstellung wurde also doch noch wahr. Die Schwester versicherte mir jedoch, dass die Frau eine sehr Nette ist und wir gut zusammenpassen werden.

Im Zimmer angekommen lerne ich die Frau kennen. Eine ältere Frau ungefähr Anfang 80. sie scheint wirklich sehr nett zu sein. Die Schwester misst meinen Blutdruck, meinen Puls und Fieber. Aufgrund der Thoraxdränagen muss dieser Vorgang jetzt alle 3 Stunden wiederholt werden. Dann verlässt sie das Zimmer wieder und ich unterhalte mich kurz mit der Dame. Es dauert allerdings nicht lange und ich bin wieder eingeschlafen. Zum Mittag bekomme ich Schonkost. Ein undefinierbarer grüner Schleim aus dem Schnabelbecher. Wirklich unfassbar lecker, ich könnte mir gar nichts Besseres vorstellen!
Aber eigentlich ist mir das auch egal. Ich bin einfach nur müde und muss aufpassen, im Sitzen nicht einzuschlafen. 😀 Ich trinke mein „Mittag“ schnell und schlafe dann weiter.

Am Nachmittag kommt die Physiotherapie und verkündet mir, dass wir uns jetzt an die Bettkante setzen werden. Mit großen Augen gucke ich sie an.Will die mich gerade veralbern? Ich wurde gestern am Rücken operiert, mir wurden sechs Wirbel aufgerichtet und versteift und ich bin einfach nur unglaublich froh, dass ich mein Leben habe und sie will jetzt wirklich mit mir aufstehen? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Aber dann kommt noch eine zweite Physiotherapeuten und da merke ich: Oh doch, es ist ihr vollster Ernst!

Die beiden versuchen mich aufzusetzen. Die eine Physiotherapeutin nimmt meine Thoraxdrainage und den Blasenkatheter damit nichts eingeklemmt wird, wenn ich mich hinsetze. dann richten Sie mich auf. Es dreht sich alles und es fühlt sich so an, als hätte ich einen Stock im Arsch. Was ja streng genommen auch so ist. 😂 Normalerweise würde ich jetzt nach rechts kippen. Doch ich sitze vollkommen gerade. Das ist zunächst ein komisches aber auch mega geiles Gefühl. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal so gerade gesessen habe. Doch lange kann ich noch nicht sitzen. Plötzlich wird mir schwindlig und schlecht. Die beiden Physiotherapeuten beenden die Aktion fürs Erste und legen mich wieder zurück ins Bett.

Am Abend nach dem Zähneputzen möchte mich meine Lieblingsschwester Maya nochmal an die Bettkante setzen. Ich habe zuerst ein bisschen Angst. Das Gefühl von Übelkeit und Schwindel wollte ich nicht noch mal erleben und Schmerzen habe ich beim Sitzen heute Nachmittag auch gehabt. Aber Maya schafft es mich zu motivieren und setzt mich an die Bettkante. Und siehe da: Es klappt es schon viel besser als heute Nachmittag. Mir ist nicht mehr ganz so schwindlig und ich sitze bestimmt 5 Minuten an der Bettkante.“Siehst du mein Mäuschen, so schlimm war’s doch gar nicht.“, sagt Maya liebevoll zu mir, als sie mich wieder ins Bett legt. Ich nicke.

Tag 1 nach der OP neigt sich nun langsam dem Ende zu. Es war alles sehr anstrengend heute, weshalb ich sehr früh einschlafe.

Zusammen etwas erreichen 

Hallo Leute!

Ich hatte euch ja letzte Woche schon ganz stolz erzählt, dass ich endlich jemanden gefunden habe, der mir bei der Anschaffung meines lang ersehnten Handbikes helfen möchte.

Trotzdem brauchen wir, der Plasma Service und ich, natürlich auch EURE Unterstützung!

Der Plasma Service Europe GmbH hat für die „Aktion Anna“ extra ein Spendenkonto eingerichtet, auf welches ab sofort gespendet werden kann.

Wenn ihr, eure Freunde, eure Bekannten oder eure Familie mich unterstützen wollt, dann könnt ihr dies über das Spendenkonto tun. 

Alle dazu wichtigen Daten findet ihr hier:

BIC: DEUTDEMMXXX

IBAN: DE69 7007 0010 0111 1111 00

Verwendungszweck: „Aktion Anna“

Ich würde mich freuen, wenn ihr diesen Blogeintrag überall teilen könntet, damit so viele Menschen wie möglich von der Aktion erfahren und wir das Ziel gemeinsam einreichen!!! 🙂

Zusammen sind wir stark und werden das Ziel ganz bald erreichen! Da bin ich mir ganz sicher! 😉👍🏼

OP-Tagebuch: Der große Tag 

03. Mai 2016

 

Morgens werde ich durch die Vorhänge hindurch scheinenden Sonnenstrahlen geweckt. 6:37 Uhr sagt mir meine Handyuhr. Wäre ich das erste Opfer des Tages, hätten sie mich schon vor gut einer Stunde abgeholt. Aber zum Glück stehe ich erst an zweiter Stelle auf dem OP-Plan. Bedeutet, zwischen 9 und halb 10 wird es auch für mich ernst.

Es klopft an der Tür und eine der netten Schwestern kommt rein, stellt mir meine Beruhigungsmittel auf den Tisch und holt mich zum duschen. Die Schwestern hier sind wirklich spitze! Alle versuchen, mir meine Angst vor der anstehenden OP zu nehmen. „Du hast das beste OP-Team, das du kriegen kannst!“, versucht mich die Schwester während des Duschens aufzumuntern. Eigentlich weiß ich das ja selbst auch. Ich meine, alleine, dass ich weiß, dass Dr. Köszegváry der Operateur ist, gibt mir sehr viel Sicherheit. Aber trotzdem habe ich Angst. Schließlich ist es meine bisher größte OP und nach dem zu urteilen was der Stationsarzt gestern alles erzählt hat, bin ich in knapp 12 Stunden möglicherweise gar nicht mehr auf dieser Welt…

Aber egal! Jetzt bin ich hier und jetzt wird es auch gemacht! Gegen 8:00 Uhr kommt die Visite vorbei. Ich werde nochmal am Rücken angezeichnet und bekomme dann meine „Scheiß-Egal-Tablette“. Anders als sonst verfehlt sie ihre Wirkung nicht. Keinen 10 Minuten später bin ich schon total müde und bekomme nur noch die Hälfte von dem, was um mich herum passiert mit.

Kurz bevor es in den OP-Saal geht, erhalte ich noch eine überraschende Nachricht. Als ich WhatsApp öffne, fällt mir ein Bild von meiner kompletten Klasse ins Auge. Alle sitzen an den Tischen im Klassenzimmer und drücken mir die Daumen. Sofort schießen mir die Tränen in die Augen. Ich finde es unglaublich schön, in dieser für mich sehr schwierigen und belastenden Situation tatkräftige Unterstützung zu erhalten. 🙂

Kurz darauf ist es soweit. Die Schwester kommt um mich in den OP zu bringen. Wir fahren los. Wir fahren mit dem Bett den langen Stations Flur entlang und mit gefühlt 10 Fahrstühlen hin und her. Irgendwann haben wir dann den OP-Trakt erreicht. Riesengroß! So viele OP-Säle auf einmal habe ich noch nie gesehen. In meiner „Stammklinik“ gibt es gerade mal drei. Hier hingegen sind es mindestens 15. Unzählbar viele Leute in grüner Kleidung springen von A nach B. Die nette Schwester schiebt mich mit dem Bett in eine der ebenfalls 15 Narkoseeinleitungsräume, wo ich von einem freundlichen OP-Pfleger übernommen werde. Ich werde auf einem speziellen fahrbaren Tisch gelagert und die Schwester verabschiedet sich von mir. Dann beginnt der Pfleger mich ans EKG anzuschließen und mir die von mir heiß geliebte Blutdruck-Manschette anzulegen. Zu guter Letzt bekomme ich noch eine Flexüle gelegt über die ich später das Narkosemittel gespritzt bekommen soll. Dann heißt es warten. Der OP-Pfleger lässt mich kurz alleine um zu sehen ob der OP schon frei ist. Es vergeht eine ganze Weile in der ich alleine in der Einleitung liege und aufgeregt darauf warte, was gleich auf mich zukommen wird. Es kommen immer mal grün gekleidete Menschen an mir vorbei, die mich fragen wie’s mir geht. Nach einer gefühlten halben Stunde öffnet sich die Schiebetür des Einleitungsraumes und es kommt jemand rein, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hätte. Mein Arzt Dr. Köszegváry. Das habe ich auch noch nicht erlebt, dass ein Arzt extra noch mal vor der OP im Vorbereitungsraum bei mir vorbeischaut. Deswegen freue ich mich riesig ihn vorher noch mal zu sehen. In seiner grünen OP Kleidung und dem Mundschutz tritt er an mich heran, streichelt mir durch die Haare und sagt: „Schlaf gut und träum was schönes. Ich passe auf dich auf. Wir sehen uns dann nachher!“ Er lächelt mich an,streichelt mir noch einmal durch die Haare und drückt meine Hand.

Wenig später kommt endlich die Anästhesistin und setzt mir die Sauerstoffmaske auf Mund und Nase. Ab diesem Zeitpunkt ist alles dunkel und ich weiß nichts mehr…

Irgendwann wache ich auf der Intensivstation auf. Wie und wann genau weiß ich allerdings auch nicht mehr. Alles ist noch neblig. Ich habe einen Sauerstoffschlauch in der Nase, die Blutdruck-Manschette um den linken Arm, mindestens 5 Flexülen in beiden Armen stecken und bin von vielen Schläuchen und Maschinen umgeben. In meinem Brustkorb steckt ein fingerdicker Schlauch- die Thoraxdrainage, mit deren Hilfe sich mein zusammengefallener linker Lungenflügel wieder entfalten soll. Ich fühle mich als wenn ich einen 30 Kilo Rucksack auf dem Rücken hätte und habe unfassbar starke Schmerzen. Auf die Frage ob ich noch mehr Schmerzmittel bekommen könnte, erwiedern die Intensivkrankenschwestern nur: „Für dein Gewicht hast du schon genug genascht!“

Zum Glück dauert es nicht lange bis Dr. Köszegváry kommt. „Wie geht es dir? Du hast Schmerzen, oder?“, fragt er mich. Mit einem schmerzverzerrten Gesicht und noch völlig benebelt von der Narkose nicke ich ihm zu.

Sofort veranlasst er, dass ich noch mehr Schmerzmittel bekomme. Endlich kann ich ein bisschen schlafen. Während des Abends und in der Nacht muss noch ein paar Mal die Dosis der Schmerzmittel erhöht werden. Außerdem wird mir immer wieder schlecht, wodurch mein Bett zweimal neu bezogen werden muss. Das ist wirklich kein schöner Tag! 😦

Ich bekomme nicht wirklich viel mit und befinde mich eigentlich die ganze Zeit nur in einem tranceähnlichen Zustand. Aber wenigstens kann ich nach der gefühlt 50. Dosis Schmerzmittel irgendwann nachts einschlafen.

Blutplasma- Hilfe auf vielseitige Art und Weise

Hallo Leute!!

Kurz vor der OP ist das Unglaubliche passiert. Ich bekam eine Nachricht von unserem städtischen Blutplasma Service. Durch den von mir veröffentlichten Zeitungsartikel sind sie auf meinen Wunsch nach einem Handbike aufmerksam geworden.

Plötzlich klingelte eines Abends bei mir das Telefon. Am anderen Ende war die Leiterin des Plasma Service Europe Nordhausen GmbH, Aileen Borack. Freudig verkündete sie mir, dass sie mich gerne bei der Anschaffung des Handbikes unterstützen möchte. Also verabredeten wir uns zu einem ersten Kennenlernen, welches schon vier Tage später stattfand. 

Fünf Tage nach unserem Kennenlernen im Zentrum fand ich mich schon gemeinsam mit Aileen beim Fotografen wieder. Das Foto für einen Aufsteller musste gemacht werden. 😊 

Nun nun hat der Plasma Service Europe Nordhausen GmbH die Aktion „Anna“ ins Leben gerufen. Hierzu wurde für mich ein Spendenkonto eingerichtet. Außerdem gibt es eine Spendenbox direkt in der Filiale und zwei lebensgroße Pappaufsteller, die auf die Spendenaktion aufmerksam machen. 
Ich bin froh endlich jemanden gefunden zu haben, der mir helfen möchte. 😀

Wenn ihr auch helfen möchtet, findet ihr alle Informationen hier: 

http://www.plasmaservice.de/de/plasmazentren/nordhausen.cfm
PS: Morgen ist er hier den zweiten Teil meines OP-Tagebuches!😚